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Wem gehören wir eigentlich, Herr Wolf?

Wir haben mit dem Fraktionsvorsitzenden der LINKEN, Udo Wolf, gesprochen und ihn gefragt, was er von dieser Frage denkt.

Was sind Berlins Grundwerte?

Aus meiner Sicht sollten das sein: Solidarität, Weltoffenheit und soziale Gerechtigkeit.

Welche typischen Berliner Werte vertritt DIE LINKE besonders stark?

Na, die drei genannten.

Wo müssen in Berlin Änderungen her?

Vor allem muss verstärkt in die öffentliche Infrastruktur investiert werden. Nicht nur die Bürgerämter, sondern die Verwaltung insgesamt braucht deutlich mehr Personal und auch so manchen neuen Computer. Für Menschen mit niedrigen Einkommen müssen in Berlin deutlich mehr Wohnungen als bisher entstehen und Langzeiterwerbslose und Geflüchtete brauchen in der Stadt eine Job-Perspektive. Nicht zuletzt gilt es, Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie nicht zu stigmatisieren, sondern zu fördern.

Wem gehört denn die Stadt?

Unser Eindruck ist, dass von Berlin zunehmend jene Besitz ergreifen, die es mit dem Verfassungsgrundsatz „Eigentum verpflichtet“ nicht allzu genau nehmen. Noch viel zu wenig gehört sie all denen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Und leider ist Berlin auch eine Stadt der Armen, obwohl den Transferleistungsempfangen in der Stadt so gut wie gar nichts gehört.

Und wem sollte sie gehören?

Nun, diese Frage müssen die Berlinerinnen und Berliner selbst immer wieder neu beantworten. Ich hoffe, sie eignen sie sich selbstbewusst an: demokratisch, solidarisch und gerecht.

Was wünschen Sie sich für Berlin in den nächsten 2 und 20 Jahren?

Dass Schulen, Brücken, Krankenhäuser endlich umfassend saniert werden, Geflüchtete in der Stadt als Bereicherung und nicht als Belastung begriffen werden, dass Langzeiterwerbslose eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsperspektive haben, dass Menschen mit geringen Einkommen eine Wohnung finden können und Gemeinschaftsschulen so gefördert werden, wie es ihrem Bildungserfolg gebührt.

Ich wünsche das alles Berlin nicht nur, ich setze mich auch dafür ein, dass die engagierte und selbstbewusste Bürgergesellschaft der Stadt von der Politik ernst- und aufgenommen wird. Denn wenn diese Weichenstellungen in den nächsten Jahren gelingen, braucht einem um Berlins Entwicklung in den nächsten 20 Jahren nicht bange sein.
 

Über Udo Wolf
Udo Wolf ist Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Berliner Abgeordnetenhaus. 1962 in Frankfurt am Main geboren, lebt er seit seinem 18. Lebensjahr in Berlin. Er studierte Politikwissenschaften an der FU Berlin, gehörte von 1984 bis 1990 der Alternativen Liste Berlin (AL) an und wurde 1993 Mitglied der PDS, heute DIE LINKE. In den 90er-Jahren war er u.a. Mitarbeiter von Gregor Gysi im Bundestag. Ins Berliner Abgeordnetenhaus wurde er erstmals 2001 gewählt. 2009 wurde er Fraktionsvorsitzender.

Dieser Artikel erschien erstmals im eMagazin AusserGewöhnlich Berlin in der Ausgabe 09/16.

issuu.com/deutschlandgroup/docs/emag_september_2016_final/30